Zur Geschichte der Straße  


Die Humboldtstraße beginnt - was viele nicht wissen - nicht erst an der Einmündung von Gliesmaroder Straße und Kasernenstraße, sondern bereits an der Fallerslebertor-Brücke. Der beidseitig bebaute Durchbruch von der damaligen Straße "Fallersleber Thor" auf den Hagenring wurde hingegen erst im Jahr 1903 angelegt - zu einem Zeitpunkt, als die Gliesmaroder Straße schon seit über 50 Jahren existierte; sie war aus einem nach Gliesmarode hinführenden Fußweg entstanden. Derartige Feld- und Wiesenwege, an denen sich nach und nach einzelne Häuser ansiedelten, hat es im Osten von Braunschweig viele gegeben. Um die weitere Stadtentwicklung "in geordnete Bahnen" zu lenken, hatte der Stadtbaurat Ludwig Winter im Jahre 1870 einen Ortsbauplan vorgelegt, der ein geometrisches, schachbrettartiges Muster der Straßen in den Außenrandbezirken vorsah und das sich wandelnde Stadtbild von Braunschweig in der Folgezeit entscheidend prägte. Dieser Plan empfahl die Anlage einer Ringstraße - des sogenannten "Wilhelminischen Ringes" -, die vom Stadtrat auch schließlich 1882 so beschlossen wurde. Ebenso war in Winters Stadterweitungsplan schon die Humboldtstraße verzeichnet, doch es dauerte noch über dreißig Jahre, bis diese direkte Verbindung vom Hagenring in die Innenstadt realisiert wurde. Zwei Häuser und eine große Gartenanlage mußten weichen.

Die Wohnhäuser an der Humboldtstraße entstanden in den Jahren ab 1903. Der "Lindenhof" zum Beispiel wurde 1908 von Karl Munte erbaut. Durch die verheerenden Luftangriffe des Oktober 1944 wurden die Häuser Nr. 3, 4 und 5 (an der Ecke Bültenweg bzw. Gliesmaroder Straße gelegen) zerstört; drei weitere Häuser hatten mittelschwere Beschädigungen zu verzeichnen. Im Vergleich zur Situation in den umliegenden Straßenzügen hielt sich der Schaden allerdings noch in Grenzen.

Schwer getroffen von den Bomben der Alliierten wurde hingegen der Botanische Garten, dessen Außenanlagen völlig neu gestaltet werden mußten. Der Botanische Garten Braunschweig war 1840 von Prof. J.H. Blasius angelegt worden und sollte vor allem der Forschung und Lehre dienen. Er enthält heute unter anderem ein Rosarium, einen Barock-Bauerngarten, einen Alpengarten, einen Bachlauf mit Wasserfall und einen Rhododendron- und Farngarten.

Benannt ist die Humboldtstraße übrigens nach dem aus Berlin stammenden Geographen und Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859), der als einer der klügsten und einflußreichsten Gelehrten seiner Zeit galt. Zu seinen bahnbrechenden Werken zählen "Voyages aux régions équinoxiales du nouveau continent" (36 Bände), "Kosmos" (5 Bd.) sowie die "Ansichten der Natur". Seine Reisen führten ihn unter anderem nach Lateinamerika und durch den Ural bis nach China.


Literaturnachweise:
Der obenstehende Text basiert überwiegend auf den folgenden Quellen:
* Jürgen Hodemacher: "Braunschweigs Straßen - ihre Namen und ihre Geschichten; Band 2: Zwischen Okergraben und Stadtring", Kapitel "Humboldstraße" (S.150-151); erschienen 1996 im Elm Verlag Cremlingen unter der ISBN 3-927060-12-7.
* Dietmar Brandes: "Botanischer Garten", in: "Braunschweiger Stadtlexikon" (S.116), herausgegeben im Auftrag der Stadt Braunschweig von Luitgard Camerer, Manfred R.W. Garzmann, Wolf-Dieter Schuegraf; erschienen 1992 im Joh. Heinr. Meyer Verlag Braunschweig unter der ISBN 3-926701-14-5.
* Jürgen Mertens: "Die neuere Geschichte der Stadt Braunschweig in Karten, Plänen und Ansichten"; herausgegeben vom Vermessungsamt der Stadt Braunschweig, 1981.



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